Memmingen als Zeitzeugin
Eine Zeitreise in die Vergangenheit.
staunen. mitfühlen. eintauchen.
Auszug der Chronik
 

Tradition in Memmingen

Wenn die Memminger historische Feste feiern, so steht Wallenstein nicht alleine. Tradition wird in Memmingen großgeschrieben. Dabei ist den Memmingern die Rückbesindung und Ehrung ihrer Wurzeln wichtig.

Bei der Historischen Woche, die seit über 30 Jahren in Memmingen als Andenken gefeiert wird, ist deshalb Authenzität ein wichtiger Bestandteil. Bis ins Detail wird bei der Ausgestaltung und den Kostümen darauf geachtet, tatsächlich die damalige Zeit darzustellen. Nicht ein schillerndes Medienspektakel soll diese Veranstaltung sein, vielmehr soll die Vergangenheit realitätsgetreu abgebildet und gewürdigt werden.

 
 

Die Chronik des Sebastian Dochtermann

Wichtige Grundlage dafür ist die Chronik des Sebastian Dochtermann, der zur Zeit Wallensteins in Memmingen lebte und die Ereignisse niederschrieb. Bis heute sind seine Aufzeichnungen im Stadtarchiv erhalten.


Gleichsam wie ein Schatten aus dem 19. Jahrhundert taucht er immer wieder auf, sei es, dass wir uns genüsslich die liebenswerte historische Novelle von Sepp Skalitzky „Wallensteinsommer in Memmingen“ zu Gemüte führen, sei es, dass wir uns mit dem Kapitel Memmingen in Golo Manns Wallensteinbiographie befassen, ebenso beherrscht er gleichsam die Gedanken der Initiatoren des Wallensteinspiels 1980: Sebastian Dochtermann, Chronist der ehemals freien Reichsstadt Memmingen während des 30jährigen Krieges. Er, der als geschichtliche Figur nicht recht greifbar ist, dessen Lebensdaten auch in Memminger Taufbüchern und Sterberegistern nicht nachzuweisen sind, hat als Chronist und Stadthistoriker einiges hinterlassen, das der Nachwelt Einzelheiten über die Zeit des 30jährigen Krieges übermittelt.

In erster Linie ist hier seine Chronik des Krieges zu nennen, in die er mit augenzeuglicher Schilderung alles für ihn damals wissenswert Erscheinende aufgezeichnet hat, in seiner schwäbischen Sprache, die er so einsetzt, wie er sie spricht, und damit manchmal uns fast Unverständliches vorbringt.

Der große Vorteil seines Berichts als Grundlage für ein historisches Festspiel von lokaler Bedeutung liegt darin, dass er die Geschehnisse des 16wöchigen Aufenthalts Wallensteins rein aus der Sicht des Memminger Bürgers darstellt. Nur selten stellt er die Beziehung zum politischen Spannungsfeld der großen Politik her, das die kleine Reichsstadt umgibt, wenn er z. B. schreibt: "Auf den 17. Tag Brauchmonat des Neuen Callender ist zu Regenspurg ein Reisstag angestellt und keisserlich Meistatt selber personIich alda erschina, der liebe Gott woll dem Keisser und den Firsten seinen heiligen guoten Geist geben, das etwas fruchtbares ausgericht werd auf dissem Reisstag". Offensichtlich sind ihm die wichtigsten Ereignisse auf diesem Reichstag nicht bekannt, wenn er später schreibt: "In dissen Weinmonat ist der Reisstag zu Regenspurg außgangen und winig ausgericht worden". Mit keinem Wort erwähnt er die auf diesem Reichstag beschlossene Absetzung Wallensteins, die ja noch in die Zeit seines Memminger Aufenthalts fiel. Er ahnt die Bedeutung, die Memmingen in diesen Wochen hat, wenn er mit Bewunderung berichtet: "Zu der Zeitt Kinig, Firsten, Graufen, Keisslichen Gesantten, kiniglichen Gesantten, vom Bapst Gesantten al her komen, man wirts nit bald in einer Cronnic gschriben finden, das so viII stattlich Pottenthaten auf ein Mall alher komen als eben zu der Zeitt".

Für den Geschichtsfreund ist es immer wieder eine erregende Sache, durch solche Handschriften unmittelbar Geschichte zu erleben.